Aus unserer Senjo Color Praxis als Mentoren am Set : Ohne Drama, aber mit System.
Wenn die Airbrush sprechen könnte, würde sie dir sagen: „Ich sprühe nicht nur Farbe auf das Modell. Ich verteile auch Farbstaub im Raum“
Keine Sorge: Du musst jetzt dich nicht gleich zum Sicherheitsbeauftragten ausbilden lassen. Du brauchst nur einen schnellen Check: Face oder Body?
In 3 Minuten weißt du, ob Lüften reicht, ob du den Druck runterdrehen solltest oder ob eine Maskenphase die entspanntere Lösung ist:
- Kurz sprühen + gute Frischluft = oft okay. Sichtbarer Nebel oder Kratzen = Setup verbessern.
- Face ≠ Body: Im Gesicht zählt Kommunikation, beim Körper zählt Luft-Plan + Phasen.
- Technik-Hebel Nr. 1: Druck runterregeln und langsam erhöhen, bis genug Farbe sauber kommt → weniger Overspray.

Wir produzieren nicht nur die Farben. Wir kennen das Thema auch aus der Senjo Color Praxis am Set.
Nicht unnötige Angst bringt dich weiter: Sondern ein Set-up, das funktioniert.
Inhalt
- Overspray in Klartext
- Der 3-Minuten-Check (3 Fragen)
- 1-Screen Setup-Checkliste
- Ampel 1: Face
- Ampel 2: Body
- Profi-Routine: Frischluft → Maske → Feinarbeit
- 3 Sätze, die am Set alles entspannen
- 5 Klassiker, die unnötig viel Nebel machen
- FAQ
Overspray in Klartext: Nicht die Farbe selbst ist das Thema.
Sondern die Farbwolke, die dabei entsteht
Beim Airbrush landet nicht alles dort, wo du es willst. Ein Teil wird zu feinem Nebel (Overspray), bleibt in der Luft und kann schnell eingeatmet werden.
Die gute Nachricht: Du kannst das sehr einfach steuern: Mit Dauer, Luft und Technik.

Du merkst es zuerst an der Nase. Und genau das ist dein Warnlämpchen.
Du bist im Flow, alles läuft. Und genau deshalb kommt es oft überraschend: Erst merkst du gar nichts, dann ist die Nase trocken. Vielleicht kratzt der Hals kurz. Oder du hast dieses komische Gefühl, als würde „etwas in der Luft hängen“.
Das ist ein ziemlich ehrlicher Marker. Denn Overspray ist kein theoretisches Problem. Er ist sichtbar, spürbar und sammelt sich gern dort, wo du ihn am wenigsten brauchst: in deiner Atemzone.
Und je öfter du sprühst, je kleiner der Raum ist oder je länger die Session dauert, desto wahrscheinlicher wird aus „kurz“ ein „zu viel“.
Der 3-Minuten-Sicherheitscheck: 3 Fragen, dann weißt du’s
Beantworte die Fragen ehrlich. Kein Messgerät. Kein Fachchinesisch. Nur Realität.
- Sprühzeit: Sprühst du länger als 10 Minuten am Stück oder mehrere Personen hintereinander?
- Nebel: Siehst du eine Wolke oder setzt sich Nebel auf Flächen ab?
- Körpergefühl: Kratzen Hals/Nase danach oder fühlt es sich „staubig“ an? Siehst du Farbrückstände in der Nase / am Taschentuch?
Ampel-Logik:
✅ 0–1× Ja = Grün (meist reicht Lüften + saubere Technik)
⚠️ 2× Ja = Gelb (Setup schärfen)
🛑 3× Ja = Rot (Schutz hochfahren)
1-Screen Setup-Checkliste: Weniger Nebel, gleiche Deckkraft
Das hier ist der Teil, den du dir speichern willst:
- Druck zuerst runterregeln. Dann langsam erhöhen, bis genug Farbe sauber kommt.
Merksatz: So wenig Druck wie möglich, so viel wie nötig. - Position checken: Stehst du in deiner eigenen Sprühwolke? → seitlich arbeiten, Atemzone frei.
- Intervalle statt Dauernebel: kurze Sprühstöße → Pause → Luftwechsel.
- Frischluft ist Teil der Technik: nicht „nachher“, sondern während der Session.
- Wenn Nebel sichtbar bleibt: du bist nicht mehr in „Grün“. Dann: Luftplan + ggf. Maskenphase

Warum Face und Body zwei verschiedene Welten sind
Jetzt kommt der wichtigste Gedanke:
Face und Body sind nicht „das Gleiche, nur größer“
Im Gesicht arbeitest du nah, präzise und in kurzen Momenten. Das heißt: Der Nebel ist oft kleiner – aber er sitzt direkt da, wo geatmet wird. Genau deshalb ist hier Kommunikation so entscheidend (Atem-Ansage, kurze Stöße, Pause).
Beim Bodypainting ist es oft anders: Du bist nicht immer so nah an Mund und Nase, aber du sprühst länger, mehr Farbe auf mehr Fläche und oft in mehreren Schichten.
Das macht die Luft zum Hauptthema.
Kurz gesagt: Face braucht Kontrolle im Moment. Body braucht einen Ab-Luft-Plan.
Ampelcheck 1:
Face (dicht am Gesicht)
Im Gesicht ist der Weg zur Atemluft kurz. Hier wird nicht diskutiert – hier wird sauber gearbeitet.

🟢 Grün: Kurz ansagen, kurz sprühen, fertig
Wenn: kurze Stöße, Nebel zieht schnell ab.
Dann:
- seitlich stehen (nicht in deine Atemzone sprühen)
- kurze Stöße statt Dauernebel
- Set-Routine fürs Modell:
„Einmal kurz Luft anhalten … danke, du kannst wieder atmen.“
🟡 Gelb: Wenn du länger brauchst, brauchst du Intervalle
Wenn: mehrere Schichten, kleiner Raum, Nebel bleibt kurz hängen.
Dann:
- währenddessen lüften (nicht erst danach)
- Sprühblöcke kurz halten (2–5 Sekunden), dann Pause
- Technik-Hebel: Druck runter → langsam hoch, bis es sauber sprüht
🔴 Rot: Wenn die Wolke bleibt, wird Schutz Standard
Wenn: sichtbare Wolke + Reizung oder viele Modelle am Stück.
Dann:
- Maske für dich (und je nach Situation auch fürs Modell)
- Luftstrom/Absaugung so, dass Overspray von euch wegzieht
- weiter in kurzen Blöcken + klare Atem-Ansage
Ampelcheck 2:
Body (Ganzkörper / große Flächen)
Beim Bodypainting ist selten der eine Sprühstoß das Thema – es ist die Summe. Und die Summe braucht Luft.

🟢 Grün: Die Luft arbeitet mit
Wenn: draußen / klarer Luftabzug / Airbrush-Zelt, Nebel zieht ab.
Dann:
- Luftwechsel fest einplanen
- Position wechseln, nicht im Overspray stehen
🟡 Gelb: Nebel bleibt im Raum – Setup nachziehen
Wenn: Overspray setzt sich ab, Raum wirkt „milchig“.
Dann:
- definierter Sprühbereich / Farb-Zelt hilft massiv
- Dauerlüften + Luftstrom planen
- Druck runter → langsam hoch, bis genug Farbe sauber kommt (Nebel sinkt spürbar)
🔴 Rot: Nicht vermeidbar? Dann Maskenphase.
Wenn: kleiner Raum + lange Sprühzeit + Nebel bleibt sichtbar.
Dann:
- du und Modell Maske, solange großflächig gesprüht wird
- in Phasen arbeiten: Sprühphase (Maske) → Lüften → Feinarbeit
- Feinarbeit: kurze Atem-Ansage reicht oft, weil der Nebel kleiner ist und schneller abzieht
Die Profi-Routine: Frischluft zuerst. Dann ggf. Maske. Dann Feinarbeit.
Viele zögern bei Masken, weil es sich „nach Drama“ anfühlt, oder weil sie Sorge haben, das Model zu verunsichern. In der Praxis ist es aber oft genau anders:
Eine klare Maskenphase kann den Ablauf sogar entspannen, weil du nicht dauernd überlegen musst, ob ihr gerade zu viel einatmet.

Wichtig ist die Logik dahinter: Maske ist nicht „für immer“, sondern für die grobe Sprühphase, in der wirklich viel Overspray entsteht (große Flächen, lange Passagen, kleiner Raum).
Sobald du in die Feinarbeit gehst, also kurze, präzise Stöße, reicht oft die Set-Routine mit Atem-Ansage und gutem Luftwechsel. Wie bei der Verwendung von Haarspray.
So bleibt es professionell, ruhig und schnell: Sprühphase sicher abfangen, dann wieder frei weiterarbeiten.
Wenn du nur eine Sache mitnimmst, dann diese Reihenfolge:
- Frischluft einplanen (wie Werkzeug – gehört dazu)
- Große Flächen = Zelt / raus / Dauerlüften
- Wenn Overspray nicht vermeidbar = Maskenphase (du + Modell)
- Feindetails = kurze Atem-Ansage: „Luft anhalten … wieder frei“
3 Sätze, mit denen du am Set dein Model entspannst
- „Lass uns kurz eine Maske aufsetzen wegen dem Farbnebel.“
- „Beim Sprühstoß bitte einmal kurz Luft anhalten …“
- Vergiss nicht: „Danke – du kannst wieder normal atmen.“

5 Klassiker, die unnötig viel Farbnebel machen
- Zu hoher Druck → runterregeln, langsam hoch, bis es sauber sprüht
- Dauernebel → Intervalle
- Falsche Position → Overspray in der eigenen Atemzone
- „Ich lüfte später“ → währenddessen lüften
- Kein Briefing fürs Modell → Husten/Zucken/Stress

FAQ: Farbnebel beim Airbrush
Kaja von Senjo beantwortet häufige Kundenfragen.
Kunde: Ist Airbrush-Farbnebel gefährlich?
Kaja von Senjo: Kurz und selten ist meist unkritisch – kritisch wird es bei viel, oft und ohne Luftwechsel. Wenn Nebel sichtbar bleibt oder Nase/Hals reagieren, ist das ein klares Signal: Setup verbessern.
Kunde: Wann reicht Lüften – und wann brauche ich eine Maske?
Kaja von Senjo: Lüften reicht oft bei kurzen Sprühstößen und schnell abziehendem Nebel. Bei kleinen Räumen, langen Sprühphasen oder sichtbarer Wolke ist eine Maske die entspanntere Routine.
Kunde: Soll das Modell beim Sprühen im Gesicht die Luft anhalten?
Kaja von Senjo: Ja, kurz bei sehr nahem Sprühen. Sag es klar an und gib sofort wieder frei: „Luft anhalten … danke, du kannst wieder atmen.“
Kunde: Soll ich als Schminker auch die Luft anhalten?
Kaja von Senjo: Für einzelne kurze Sprühstöße kann das helfen, ersetzt aber keine Strategie. Bei längeren Passagen sind Luftführung, Druck und ggf. Maskenphase die sauberere Lösung.
Kunde: Muss das Modell eine Maske tragen – und wann?
Kaja von Senjo: Bei viel Overspray (Body, langer Sprühblock, kleiner Raum) kann das sinnvoll sein. Für Feinarbeiten reicht oft die Atem-Ansage in kurzen Momenten.
Kunde: Was hilft bei Bodypainting am meisten: draußen, Zelt oder Lüften?
Kaja von Senjo: Am wichtigsten ist: Der Nebel darf nicht im Raum stehen bleiben. Draußen ist oft am einfachsten, ein Farb-Zelt hilft drinnen und mehrmaliges Lüften sollte zur Routine gehören.
Kunde: Woran merke ich, dass mein Setup Signal auf „Rot“ steht?
Kaja von Senjo: Wenn Nebel sichtbar bleibt und/oder Nase/Hals reagieren, bist du nicht mehr im grünen Bereich. Dann Schutz hochfahren und Luftplan ändern.
Kunde: Wie erkläre ich die Maske, ohne das Modell zu verunsichern?
Kaja von Senjo: Sprich von Routine, nicht von Gefahr. Ein ruhiger Satz reicht: „Maske wegen Farbnebel. Standard bei Airbrush.“
Fazit: Sicher arbeiten heißt nicht langsamer arbeiten
Du brauchst keine perfekte Welt. Du brauchst ein Setup, das Nebel klein hält – und eine Routine, die du jedes Mal gleich durchziehst: Luft planen, Druck sauber einstellen, in Phasen arbeiten, gut kommunizieren.
So bleibt Airbrush das, was es sein soll: präzise, schnell und angenehm.
Speichere dir die beiden Ampeln + die 1-Screen-Checkliste.
Vor jeder Session kurz: Face oder Body? Grün, Gelb oder Rot?
Weiterführende Infos
- BAuA / TRGS 530 (Friseurhandwerk): Hinweise zu Tätigkeiten mit Sprays/Aerosolen und Lüftung im Arbeitsumfeld
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRGS/pdf/TRGS-530.pdf?__blob=publicationFile - DGUV Staub-Info: Grenzwerte (Allgemeiner Staubgrenzwert / A- und E-Staub)
https://www.dguv.de/staub-info/rechtsgrundlagen/grenzwerte/index.jsp - Cosmetic Ingredient Review (CIR): Inhalation / kosmetische Sprays (Dokumente & Updates)
https://www.cir-safety.org/sites/default/files/Inhalation_Admin_093024.pdf
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